EINE DOKUMENTATION
Ansicht der Bahnstation Sankt Georgen (Schwarzwald) von der Straßenseite aus gesehen © Copyright 2000 - 2022 Burkhard Thiel Alle Rechte vorbehalten
Bau und Streckeneröffnung Nach dem Abschluss der Vermessungsarbeiten begannen die Bauarbeiten an der „Schwarzwaldbahn“ im April 1865. Der Streckenabschnitt zwischen Hornberg (Schwarzwald) und St. Georgen wurde direkt zweigleisig ausgebaut. Die Bahnstation lag am letzten aufwendigsten Teilabschnitt zwischen Hausach und Villingen, der am 10. November 1873 und damit die 149,13 Kilometer lange Gesamtstrecke von Offenburg nach Singen (Hohentwiel) von den Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen (BadStB) in Betrieb genommen wurde.

Das Empfangsgebäude Sankt Georgen

Das traufenständige, zweistöckige Stationsgebäude im typischen Stil des Schwarzwalds gebaut besaß ein verputztes Erdgeschoss und ein mit Holzschindeln verschaltes Obergeschoss. Ein asymmetrischer Giebelrisalit (ein Bauteil, das aus der Fassade vorspringt) mit Bahnhofsuhr im Giebel lag vor der Eingangshalle, ein weiterer befand sich auf der Gleisseite. Im Erdgeschoss waren Segmentbogenfenster und Türen mit roten Sandsteinrahmen versehen worden. Die Gebäudekanten besaßen rote Fasche (vertikales Farbband oder leicht erhabenes Mauerband). Im Obergeschoss wurden Rechteckfenster mit Fensterläden verbaut worden. Das Gebäude besaß ein Krüppelwalmdach. Im Erdgeschoss befanden sich die Warteräume, der Fahrkarten- und Gepäckschalter, eine Bahnhofsgaststätte sowie weitere Diensträume. Im Obergeschoss lagen die Wohnungen für die Bahnbediensteten. Im Osten war ein separates Abortgebäude mit Satteldach, im Westen ein Nebengebäude errichtet worden. Ein separater Güterschuppen aus Holz mit weit auskragendem Satteldach sowie Kopf- und Seitenrampe wurde weiter Nördlich errichtet. Die Gleisanlage bestand aus den zwei Hauptgleisen und den Gleisen zum Güterschuppen und der Freiladestraße. Der Bahnhof gehörte 1938 zur Rangklasse II. Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen 1877/78 wurde der Bahnhof erweitert und auf Rechtsfahrbetrieb umgestellt. Auf der Südseite wurde ein weiteres Ladegleis verlegt sowie eine Brückenwaage installiert. 1900 wurde ein Gleisanschluss zum Säge- und Hobelwerk Eismann verlegt. 1902 erhielt der Bahnhof zwei Stellwerksgebäude. Das Stationsgebäude wurde verlängert. 1906 wurde der Güterschuppen erweitert. 1911 wurde eine Bahnsteigüberdachung auf dem Bahnsteig II gebaut. 1955 wurde der Dampfbetrieb aus der Strecke eingestellt und stattdessen Diesellokomotiven eingesetzt. 1959 entstand auf dem Hausbahnsteig ein Stellwerksanbau. Am 26. Juni 1972 begannen die Arbeiten zur Installation einer Oberleitung zwischen Offenburg und Villingen, die am 1. September 1975 abgeschlossen wurden. Dabei wurde auch das Stationsgebäude von der Deutschen Bundesbahn (DB) aufwendig saniert. Es entstand der Personentunnel zum Inselbahnsteig, mit hölzerner Überdachung des Treppenaufgangs. Zur Gemeinde St. Georgen gehörten noch die Bahnhöfe Sommerau und Peterzell-Königsfeld, die ebenfalls an der Schwarzwaldbahn lagen. Sie wurden in den 1970er-Jahren stillgelegt. 1980 wurde der Fahrkartenverkauf eingestellt. 1987 löste ein modernes Stellwerk die alten Stellwerke ab. Die Gleisanlage wurde bis auf das Notwendigste zurückgebaut. Die badische Schwarzwaldbahn wurde in ihrer gesamten Länge unter Denkmalschutz gestellt. 2016/17 wurden die Bahnsteige modernisiert. Der Güterschuppen wurde an einen Verein verkauft. Im Bahnhofsbereich gab es noch weitere Bahnhochbauten. Davon steht eines auf der anderen Gleisseite sowie eins westlich des Stationsgebäudes. Was hat sich verändert, was ist geblieben Das Empfangsgebäude wurde an eine Privatperson verkauft. Die Bahnhochbauten sind weitgehend in ihrem Urzustand erhalten und stehen als „Sachgesamtheit“ unter Denkmalschutz.
Bilder St. Georgen
Bahnhof 1910
Luftaufnahme
Bahnhof 1910 Schwarzwaldbahn (Baden) Offenburg Singen (Hohentwiel) 808,0 Planung und Konzession
Die Eisenbahn “kam” am 1. November 1873 nach St. Georgen. Also 38 Jahre nach der Eröffnung der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth 1835. St. Georgen hatte zu diesem Zeitpunkt sehr wenig Einwohner (Ende 2020 waren es 13.035 Einwohner).

Bahnstation Sankt Georgen (Schwarzwald)