Bau und StreckeneröffnungNachdem die Münster-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft (MEE) die eingleisige, 64 Kilometer lange Strecke zwischen Münster über Gronau nach dem niederländischen Enschede mit dem Streckenbau begonnen hatte, wurde die MEE 1874 zahlungsunfähig. Die Bauarbeiten wurden nach Übernahme der MEE durch die dem preußischen Staat gehörende Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft (KWE) fortgesetzt. Das letzte Teilstück auf niederländischem Staatsgebiet wurde in Kooperation mit der Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft (DGEE) fertiggestellt und gemeinschaftlich betrieben. Der Schienenverkehr begann am 20. September 1875. Das letzte Teilstück nach Enschede wurde am 15. Oktober 1875 eröffnet.Der Fachwerkgüterschuppen mit Seiten- und Kopframpe sowie einer Ladestraße lag neben dem Stationsgebäude in Richtung Gronau.
Das Empfangsgebäude Steinfurt-Burgsteinfurt
Das traufenständige, zweistöckige und zweifarbige (rot, gelb) Klinkergebäude mit Satteldach besaß auf der Straßen- und Gleisseite jeweils einen Giebelrisalit (ein Bauteil, das aus der Fassade vorspringt). An beiden Seiten gab es zweistöckige Anbauten mit Mezzanin (Halb- oder Zwischengeschoss) und Satteldach. Die Stockwerke wurden durch ein Gurtgesims (an Fassaden, das zwischen den Geschossen liegt), optisch getrennt. Die Fenster und Türen waren im Rundbogenstil gehalten. Das Gebäude konnten die Reisenden über eine Eingangstreppe erreichen. Im Erdgeschoss gab es Wartesäle sowie Fahrkarten- und Gepäckschalter, im Obergeschoss lag die Wohnung des Stationsvorstehers.Der Bahnhof gehörte 1938 zur RangklasseII.Weitere Ausbauten oder Änderungen•Am 1. Juli 1879 eröffnete die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) ihre 172,87 Kilometer lange Strecke zwischen Duisburg und Quakenbrück. Dadurch bedingt wurde Burgsteinfurt zum Kreuzungsbahnhof. Die Gleisanlage erweiterte man entsprechend und verlegte ein Verbindungsgleis zur RhE. Auf der gegenüberliegenden Gleisseite wurde eine Lokstation mit Lokschuppen und Drehscheibe errichtet. Das Stationsgebäude nutzten beide Eisenbahngesellschaften. Ein überdachter Inselbahnsteig wurde errichtet.•Am 1. Mai 1893 wurde die Strecke nach Enschede auf Sekundärbahnbetrieb umgestellt.•Am 1. Oktober 1902 eröffnete die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE) ihre 54,5 Kilometer lange Strecke zwischen Borken (Westf) und Burgsteinfurt. Die WLE unterhielt einen eigenen Bahnhof im Westen, mit einem Bahnsteig und einer Unterführung zum Staatsbahnhof.•1916 wurde ein Stellwerksgebäude errichtet.•1934 erhielt der Bahnhof ein weiteres Stellwerk.•Am 27. September 1975 stellte die WLE den Personenverkehr auf der Strecke nach Borken (Westf) ein.•Am 31. Dezember 1972 stellt die WLE den Güterverkehr nach Ahaus ein.•1975 stellte die Deutsche Bundesbahn (DB) die Stückgutabfertigung im Bahnhof ein.•Am 14. November 1982 errichtete die DB ein Stellwerksanbau auf dem Hausbahnsteig.•Am 28. September 1984 stellte die DB den Personenverkehr zwischen Coesfeld und Rheine ein. Zum 1. Juli 1985 wurde das Teilstück zur Nebenbahn herabgestuft.•Am 31. März 1988 baute die DB die Strecke nach Borken (Westf) zurück.•Am 1. Juni 1992 stellte die DB die Abfertigung von Gepäck- und Expressgut ein.•1996 wurde der Güterverkehr eingestellt.•Am 12. Dezember 2004 wurde der Bahnhof in Steinfeld-Burgsteinfeld umbenannt und die Fahrkartenausgabe durch eine Agentur übernommen.•Am 30. September 2005 begann der Gleisrückbau der Strecke nach Rheine. Die Gleisanlage des Bahnhofs wurde auf das Notwendige reduziert und der Außenbahnsteig samt Personentunnel erneuert.•2006 schloss das Wärterstellwerk [Bw].•Die Stellwerke von 1916 und 1934 wurden am 27. Oktober 2008 aus dem Betrieb genommen.Was hat sich verändert, was ist gebliebenDas Empfangsgebäude wurde saniert und verputzt. Dabei wurden die Giebelrisalite entfernt. Obwohl das Gebäude noch in seinen ursprünglichen Außenmauern erhalten wurde, ist das Gebäude nicht mehr wiederzuerkennen. Lediglich die alte Bahnsteigüberdachung vom Inselbahnsteig ist erhalten. Sie wurde abgebaut und auf dem Bahnhofsvorplatz wieder errichtet. Jetzt dient sie als einmaliger Wetterschutz für den Busbahnhof, was den Vorplatz enorm aufwertet. Diese Bahnsteigüberdachungen werden heute in fast allen Städten unter Denkmalschutz gestellt.
Planung und KonzessionDurch Preußische Konzession vom 23. Dezember 1871 (Preußische Gesetzsammlung Jahrgang 1872 Nr 15 Beilage Seite 260) erhielt die Münster-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft die Genehmigung zum Bau und Betrieb der Strecke Münster (Westf) - Burgsteinfurt - Ochtrup - Gronau (Westf). Infolge des zwischen Preußen und der Münster-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft am 3. März 1872 abgeschlossenen Vertrages gelangt die Bahn nach ihrer Vollendung unter Staatsverwaltung. Den Ausbau der Bahn führte die Eigentümerin weiter, bis sie ins Stocken geriet und die Staatsregierung durch den Abänderungsvertrag vom 1. Juni 1875 die ganze Anlage schon vor Vollendung übernahm.