EINE DOKUMENTATION
Ansicht der Bahnstation Oberwesel von der Straßenseite aus gesehen © Copyright 2000 - 2021 Burkhard Thiel Alle Rechte vorbehalten

Bau und Streckeneröffnung

Die linke Rheinstrecke verläuft von Köln nach Mainz. Sie wurde in mehreren Teilabschnitten gebaut. Der Bahnhof der einstigen Reichsstadt Oberwesel liegt an dem Streckenabschnitt zwischen Koblenz und Bingerbrück (heute Bingen (Rhein) Hbf). Er wurde am 15. Dezember 1859 eröffnet. Die 181 Kilometer lange Gesamtstrecke ging am 27. Dezember 1859 in Betrieb.

Das Empfangsgebäude Oberwesel

Der zweistöckige, traufenständige Putzbau auf rechteckigem Grundriss im Stil des späten Klassizismus errichtet, besaß auf der Ort- und Gleisseite jeweils einen Giebelrisalit (ein Bauteil, das aus der Fassade vorspringt). Er ging Ende 1859 in Betrieb. Im Erdgeschoss waren Rundbogenfenster und Türen verbaut worden. Das Obergeschoss hatte Rechteckfenster, die in Zweier- und Dreiergruppen angeordnet waren. Die Stockwerke waren optisch durch ein Gesims getrennt. In allen Giebeln gab es im Dachgeschoss ein Rundfenster. Im Erdgeschoss waren die üblichen Räumlichkeiten für Wartesäle, Fahrkarten- und Gepäckschalter sowie ein Damenzimmer, ein Telegrafenraum untergebracht. Neben dem Hausbahnsteig gab es einen aufgeschütteten Mittelbahnsteig ohne Überdachung. Ein separater Güterschuppen war ebenfalls südlich des Stationsgebäudes errichtet worden.

Weitere Streckeneröffnungen und Ausbauten

Bis Ende 1868 erfolgte der zweigleisige Ausbau der „linken Rheinstrecke“. 1896 bauten die Königlich Preußische Staatseisenbahnen (K.P.St.E.) ein Anschlussgleis zum Hafen. 1908 wurde das Empfangsgebäude an beiden Seiten durch einstöckige Anbauten mit Flachdach erweitert. Außer einem Wartesaal der dritten Wagenklasse richtete man noch Räume für eine Bahnhofsgaststätte und für den Fahrdienstleiter ein. 1926 wurde die Klassenaufteilung der Wartesäle aufgelöst. Später baute man einen Personentunnel für den Zugang zum Mittelbahnsteig, dessen Treppenabgang überdacht war. Zwei Stellwerke wurden an der Bahnschranke und im Ostkopf des Bahnhofs errichtet. Im Güterbahnhof konnten Güterzüge überholt oder abgestellt werden. 1925 baute die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) gegenüber dem Stationsgebäude und unterhalb der Straßenböschung ein kleines, einstöckiges Bruchsteingebäude, in dem sich die Toiletten befanden. Die Gleisanlage wurde für den Güterverkehr zur Be- und Entladung von Expressgut für Fuhrwerke und Lastwagen erweitert. Eine Gleiswaage, ein Lademaß und ein handbetriebener Ladekran ergänzten die Güteranlage. Am 29. Mai 1958 begann die Verlegung der elektrischen Oberleitung auf der „linken Rheinstrecke“. 1960 entstand ein neuer Güterschuppen. Für eine Kleinlokomotive entstand ein Lokschuppen in der Nähe der Signalwerkstatt. 1972 baute die Deutsche Bundesbahn (DB) einen Stellwerksanbau auf dem Hausbahnsteig. Die alten Stellwerke wurden abgerissen. 2004 riss die Deutsche Bahn AG (DBAG) das separate Toilettenhaus ab und baute hinter dem Stellwerkraum auf den Hausbahnsteig einen modernen Flachbau, in dem ein Spurplan-Drucktastenstellwerk untergebracht wurde. Die Gleisanlage wurde zurückgebaut. Es blieben noch die drei Bahnsteiggleise, deren Bahnsteige erneuert wurden. Nur der alte Fahrradständer am Personentunnel hat sich behaupten können. 2013 verkaufte die DBAG das Stationsgebäude an einen Investor.

Was hat sich verändert, was ist geblieben

Das Empfangsgebäude ist im Kern im Zustand von 1859 weitgehend erhalten. Der Bahnhof gehört zum „UNESCO-Welterbe oberes Mittelrheintal“ und steht unter Denkmalschutz.
Bilder Oberwesel
Luftaufnahme
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